Die Kunst des Hinhörens

DIALOG nach David Bohm

Wer kennt das nicht: man schüttet in einem vertraulichen Gespräch jemandem sein Herz aus. Das Gegenüber hört einem nur zu. Am Ende hat man das Gefühl, sich schon lange nicht mehr so gut unterhalten zu haben.

Lesen Sie hier unseren Dialog zu wichtigen Aspekten des DIALOGs.

Link zu Kommunikation:  https://www.dwds.de/wb/etymwb/Kommunikation

Thomas: Liebe Judi, du hast seit 20 Jahren an verschiedenen durch David Bohm inspirierten DIALOGen (kurz BD) teilgenommen, in den letzten Jahren oft als Veranstalterin. Was ist das Besondere am Bohm’schen Dialog.

Judi: Das Besondere ist die höflich interessierte Zugewandtheit des Zuhörenden. Die Entdeckung feinster Bedeutungsnuancen, die uns durch den Sprechenden geliefert werden, das sich selbst Zuhören in einer schnell vertrauensvoll werdenden Runde oft unbekannter Teilnehmer. Es entsteht ein sicherer Rahmen, den man oft bei jeder anderen Art des Dialogs vermisst. Dann nämlich, wenn konkurrenzorientierte schlagfertige Gesprächspartner einen in die Ecke reden.

Thomas: Ja, ich erinnere mich an so viele Gespräche – unter „Geistreichen“ – in dem ich mit meinem Dialogpartner mit Namedropping-Duellen alle Anwesenden angeödet und keinerlei Erkenntnis gewonnen habe. –

Und trotzdem finde ich, dass eine gute Prise Schlagfertigkeit eine wichtige Zutat eines Dialogs ist, vor allem wenn sie gepaart ist mit humoriger Milde. Ich denke, dass gelassene Schlagfertigkeit aus der rechten Gehirnhälfte kommt, der ungebremsten Zugang zum Innersten eines Menschen.

Judi: Die große Stärke des Bohm’schen DIALOGS ist, dass wir Gesagtes zunächst respektvoll in der Schwebe lassen, ohne es sofort zu kommentieren oder zu bewerten.

Thomas: Gefühle der Geborgenheit und Sicherheit kommen bei mir auf, wenn wir im BD sind. Bei mir löst diese Art des Kommunizierens Neugier auf das, was die anderen sagen aus. Ich denke, dass sich der BD daher auch sehr für Konfliktlösungen eignet. Jeder wird gehört, und Anwesende können gar nicht anders als gespannt sein auf das was kommt.

Judi: Als Coach lernen wir ziemlich zu Anfang unserer Ausbildung den Sokratischen DIALOG, welcher seit circa 300 v.Chr. Vorbild für Menschen ist, indem sie nämlich viele Fragen stellen.

Wir sagen, Fragen sind das wichtigste Kommunikationsinstrument. Ohne Fragen keine Antworten.

Beim Bohm’schen DIALOG stellen wir manchmal nur eine Initialfrage.

Daraufhin beginnt ein Teilnehmer seine Gedanken zu äußern. Alle hören dies, bewerten nicht und hören in sich hinein. Während wir reden, hören wir uns auch selbst zu. Die Aussagen aller entwickeln sich so zu einem kollektiven Gebilde, aus dem neue Sichtweisen entspringen können.

Dieser entschleunigte Prozess lässt die Worte aller wirken. Bei allen ist die Wirkung natürlich unterschiedlich. Wir müssen nicht auf höchst intellektuelle Formulierungen achten, sondern drücken aus, was sich aufgrund des eben Gesagten in uns zeigt und lassen es unkommentiert „in der Schwebe“. Dieses gemeinsame Denken und Nachfühlen löst manchmal wertvolle Erkenntnisse in den Teilnehmern aus; über sich selbst u n d das Thema.

Thomas: So sehe ich das auch. Und das heißt ja noch lange nicht, dass man keine eigene Haltung in einer Sache hat (Beispiel). Und auch nicht, dass man die eigene Haltung zugunsten einer friedlichen Stimmung verschleiert. Das Langsame und das Nachdenkliche sind im Grunde die Garanten dafür, dass die Haltung der Einzelnen klar erkennbar werden.

Judi: Den eigenen Standpunkt gelassen und ehrlich zu vertreten, ist bei dieser Art von Dialog leicht zu bewerkstelligen. Die heute vielseitig geforderte „Psychologische Sicherheit“, die sich hier ganz natürlich einstellt, gibt unserer Selbstführung und der Führung von Mitarbeitern eine besondere Wirkmacht.

Mit Ehrlichkeit meine ich freilich nicht seelischen Striptease. In erster Linie gilt es, ein gemeinsames Feld des Verstehens zu kreieren. Wir wissen ja, alles ist mit allem verbunden, und das merken wir beim gut geführten Dialog auf besondere Weise.

Thomas: Du nennst immer wieder Teamkonflikte, bei denen die „Kunst des Hinhörens durch den BD“ eingesetzt werden könnte. Bei Teamkonflikten reden wir ja zumeist über schlechte Stimmung aufgrund von unterschiedlichen Sichtweisen oder Erwartungen und daraus folgendem emotionalem Stress.

Judi: Ja, diese Anwendungsmöglichkeit des BD kann ganz hervorragend genutzt werden. Teamleiter und andere Führungskräfte sollten den BD daher von Grund auf erlernt und ausreichend praktiziert haben. So könnten sie zu der heutzutage vielbeachteten und angestrebten „Psychologischen Sicherheit“ beitragen.

Übungstermine zum Bohm’schen DIALOG (off – oder online) finden Sie unter Aktuelle Veranstaltungen

Weiterbildungstermine zum zertifizierten Bohm DIALOG-Facilitator für Lehrende und Ausbilder, Fachkräfte in der psycho-sozialen Beratung, Coaches, alle Führungskräfte finden Sie unter Aktuelle Veranstaltungen.

Mehr Information zur Weiterbildung zum zertifizierten Bohm DIALOG-Facilitator erhalten Sie per E-Mail bei jm@elan-project.de